Pretty Things Beer and Ale Project

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Aus der Not eine Tugend machen. Und was für eine! In Somervile, Massachusetts, in der Nähe von Boston hat das Ehepaar Holley-Paquette vor einigen Jahren ihr eigenes kleines Brauerei-Projekt «Pretty Things Beer and Ale Project» gestartet und produziert inzwischen einige in den USA sehr beliebte und begehrte Biere. Der Spaß an der Sache und die Unabhängigkeit stehen dabei an oberster Stelle. Hops Hysteria konnte drei Biere der beiden ergattern und hat  einige Fragen nach Somervile geschickt, um mehr über Idee und Intention des «Projektes» zu erfahren.

Hi, stelle Dich doch bitte vor.
Ich bin Martha Holley-Paquette und die Mitgründerin von Pretty Things Beer and Ale Project, das ich mit meinem Ehemann und Brauer Dann Paquette betreibe.

Wann und wo habt Ihr Euer Bier-Projekt gestartet?
Als wir im August 2008 aus UK zurück nach Boston gezogen sind, war Dann auf der Suche nach einem Brauer-Job (seit 22 Jahren ist er nun professioneller Brauer), konnte aber leider keinen finden. Also haben wir unsere letzten Ersparnisse gesammelt, eine Brauerei gemietet und eine Runde Bier gebraut. Nach und nach haben wir immer wieder und immer mehr gebraut und verkauft und nach ein paar Jahren wurde aus dem Projekt ein richtiges Business.

Ihr habt keine eigene Brauerei? Wo braut Ihr denn eigentlich die ganzen tollen Kreationen?
Wir mieten uns in Buzzards Brewing, eine Brauerei in Westport, MA, ein. An Brautagen stehen wir früh auf und können so den ganzen Tag dort brauen. Der normale Brau-Alltag der Brauerei läuft dabei nebenbei weiter: Abfüllungen, Brauerei-Besichtigungen usw. Es klappt alles wunderbar.

Plant Ihr es, eine eigene Brauerei zu eröffnen?
Das wäre großartig! Die momentane Situation ist allerdings die, dass wir mit dem jetzigen Produktions-Level eine relativ große Brauanlage benötigen würden, da wir einer doch recht hohen Nachfrage nachkommen müssen. Das können wir uns leider nicht leisten. Und wir wollen definitiv keine Anteile unseres Unternehmens verkaufen, um eine große Brauerei bauen zu können. Also machen wir so weiter, wie wir es derzeit tun.

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Dann hat lange Zeit in England gearbeitet – Ihr habt also eine enge Verbindung zu Europa. Benutzt Ihr gerne und häufig Rohstoffe aus Europa, oder bevorzugt ihr das amerikanische Material?
In einigen Bieren lieben wir es, europäische Zutaten zu verwenden. In unseren dunkleren Bieren zum Beispiel benutzen wir Malz aus dem UK (Thomas Fawcett Maltings, Yorkshire). Für unsere Lager und belgischen Biere benutzen wir auch Weyermann aus Deutschland. Europäischen Hopfen benutzen wir natürlich sehr häufig: Strisselspalt, Hallertauer, Fuggle. Der Großteil der Rohstoffe kommt allerdings in der Tat aus den USA – natürlich insbesondere für unsere IPAs oder andere US-typische Bier-Stile.

Wer ist eigentlich Jack und warum hat er einen so riesigen Schnäuzer?
Jack D’Or ist bei Pretty Things die dritte wichtige Person im Bunde – ein Malzkorn, der auch gerne mal braut uns sich dann selber in die Maische schmeißt. Den Schnäuzer trägt er, weil zu der Zeit, als Jack entstanden ist, sein Vater, Dann, ebenfalls einen ähnlichen Bart getragen hat.

© Pretty Things

Offensichtlich habt Ihr richtig viel Spaß mit Eurem Beer & Ale Project. Das ist toll! Aber was denkt Ihr über die explodierende Craft Beer-Bewegung besonders in den USA?
Ja, explodieren ist das richtige Wort. Momentan ist es echt verrückt. Die Bier-Vielfatl in den Regalen in Shops ist sehr hoch, die Qualität bei neu gegründeten Brauereien ist allerdings sehr niedrig. Es ist also nicht alles super, was in den Regalen steht. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich absolut spannend mitzuerleben, was derzeit passiert und wie sich alles entwickelt. Wir werden sehen, wie sich das alles entwickelt …
Momentan gibt es Bier untypische Trends, wie zum Beispiel aromatisiertes Bier. Das ist spannend und wir werden sehen, ob es nur Mode ist, oder sich etabliert.  Wir sind allerdings der Überzeugung, dass Bier auch nach Bier schmecken soll und nach dem, was hauptsächlich ins Bier gehört: Hopfen, Malz und Hefe.

Beobachtet Ihr auch die europäische Craft Beer Szene?
Soweit wir können schon. Wir haben befreundete Brauer in England und Belgien. Und natürlich bekommen wir auch Neuigkeiten aus dem Internet mit.

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In Deutschland bekommt das Thema Craft Beer gerade erst zunehmend Aufmerksamkeit. Bekommt Ihr etwas vom deutschen Markt mit? Und kennt Ihr vielleicht sogar Brauer aus Deutschland?
Wir haben schon Brauer von der Klosterbrauerei Wiessenohe und Freigeist getroffen. Die neuen Bier-Stile, die entstehen, sind zwar interessant, aber wir denken, es ist nicht gut, alte Traditionen komplett über den Haufen zu schmeißen. Innovationen können auch schlecht sein. Es kann schnell passieren, dass alte Brauarten, Techniken usw. verloren gehen und in Vergessenheit geraten. Vieles ist früher gar nicht dokumentiert worden, sondern die Fähigkeiten und das Wissen wurde einfach nur an die Nachkömmlinge weitergetragen. In den USA war es zum Beispiel während der Prohibition der Fall. Auch in England und Belgien haben wir es zum Teil am eigenen Leib erfahren.

Wäre es für Euch wünschenswert, mehr von eurem Bier auch in Europa zu verkaufen?
Ein wenig Bier wird ab und an schon nach Europa verschifft. Aber eher zum Spaß. 90% unseres Bieres verkaufen wir in unserer Heimatregion, Boston.

Wer gestaltet denn eigentlich die ungewöhnlichen Etiketten auf den Bieren?
Das machen wir alles selber. Wir zeichen die Etiketten auf unserem Küchentisch, fotografieren sie ab und arrangieren dann alles am Computer. Das macht uns besonders viel Spaß.

Was plant Ihr für die Zukunft? Was wünscht Ihr Euch?
Wir wollen eingelich so weiter machen, wie bisher. Spaß beim Bierbrauen haben und das lieben, was wir machen. Immer besseres Bier brauen und klassisches Brau-Methoden an- und Rohstoffe verwenden.

Vielen Dank für die nette Beantwortung der Fragen. Viel Erfolg und weiterhin viel Spaß an Eurem tollen Projekt!

(Das Interview wurde per Email auf englisch geführt und von mir übersetzt.)

Abgebildete Biere:
Pretty Things – Saint Botolphs Town
Pretty Things – Field Mouse’s Farewell
Pretty Things – Meadowlark IPA

 

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