Orval – Funkiness aus alten Gemäuern

Vor über einem Jahr habe ich das erste mal das weltberühmte Orval probiert. Es hat mir gar nicht geschmeckt. Null. Ich hatte mich gefragt, was da wohl schief gelaufen sei. Da konnte eigentlich nur eine wilde Pferdeherde während der Gärung in in die Gärtanks gespuckt haben. Aber nach einer kurzen Recherche war klar: das muss so. Na gut, man muss ja auch nicht jedes Bier mögen.

Aber (fast) jedes Bier hat eine zweite Chance verdient. Nachdem der eigenen Bier- und Geschmackshorizont in den letzten Monaten extrem erweitert wurde, sollte auch das Orval aus Belgien eine weitere Möglichkeit bekommen, sich in mein Herz zu blubbern, zumal ich wusste, dass eine spezielle Brettanomyces-Hefe, deren geschmackliche Eigenschaften ich inzwischen sehr liebe, für das Bier verwendet wird.

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Orval ist ein Kloster des Trappistenordens im Süden von Belgien. Wie in vielen Klostern, wird auch dort das eigene Bier produziert – die Mönche möchten immerhin auch etwas Spaß haben. Als nur eine von inzwischen zehn Klostern weltweit, darf das Orval unter dem geschützen Begriff Trappistenbier auch verkauft werden. Das bekannteste Bier davon ist sicherlich das Westvleteren 12, das auch gleichzeitig als das beste Bier der Welt gehandelt wird. Bier-Fans nehmen weite Reisen auf sich, um am Tag des Verkaufs, der nur vor Ort am Kloster stattfindet, einige Flaschen ergattern zu dürfen. Aber solche Ereignisse kennt man ja inzwischen auch aus der US Craft Beer-Szene.

Das Orval unterscheidet sich jedoch von anderen Trappistenbieren. Der größte Unterschied ist sicherlich die Verwendung einer Brettanomyces Hefe. Diese Hefe hat einen extremen Eigengeschmack, der gewöhnungsbedürftig ist (was auch meine Reaktion auf der ersten Orval-Versuch zeigt). Wenn man sie aber ein paar mal probiert hat, liebt man den Geschmack. Sie ist säuerlich und man sagt, dass Pferdedecken wahrscheinlich ähnlich schmecken müssen. Aber die Hefe hat bessere Vergleiche verdient. Etwas Salbei, leicht pfeffrig, frisch gemähtes Gras, vielleicht auch dunkle Erde. Sie bewirkt ein sehr trockenes Mundgefühl, was an Frische und Leichtigkeit erinnern lässt.

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So sehr leicht ist das Orval allerdings nicht. Es wird in Flaschen nachgegärt, was heißt, dass weiterer Zucker bei der Abfüllung in die Flaschen gegeben wird. Deswegen kann auch kein 100%ig einheitlicher Alkoholwert angegeben werden. Ein Mittelwert von 6,2% steht deswegen auf den Flaschen. Er kann aber auch bis über 7% gehen.

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Dank der mit Weinhefe verwandten Brettanomyces kann das Bier locker mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte gelagert werden. Ab jetzt werde ich jedes Jahr einige Flaschen kaufen und diese lagern, um den Alterungsprozess geschmacklich erleben zu können, dieses Bier wurde im September 2013 abgefüllt.

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