MADbeer Tasting vom Brausturm Spektakel

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-18

»Bier ist langweilig.«, »Bier ist halt Bier und schmeckt doch immer relativ gleich«. Das hört man leider häufig. Lange Zeit wurde das beliebte Getränk mit in Handschellen gelegen Samthandschuhen angefasst.

Doch Bier ist viel mehr. Bier ist Vielfalt und Komplexität. Dass das so ist, hat am Freitag das neu entfachte Brausturm Spektakel aus Hamburg aufgezeigt. Die beiden Gründer Maximilian Marner und Ronald Siemsglüss haben es sich zur Aufgabe gemacht, die neu entdeckte Vielfältigkeit und das breite Spektrum von Bier dem Konsumenten und Interessenten mit Veranstaltungen, wie Tastings, Food-Pairings und Präsentationen, näher zu bringen. Und neben all der Vielfalt und Komplexität zeigen die beiden auch praktisch, wie simpel am Ende Bier doch eigentlich ist: In Hobby-Braukursen wird in kleinen Gruppen gezeigt und gelehrt, mit einfachen Mitteln und Spaß Bier in der eigenen Küche herzustellen.
Mit dem Brausturm Bierverlag werden außerdem extrem besondere und auf aller Welt heiß begehrte und trendige Biere, wie zum Beispiel von Mikkeller, vertrieben.

Am vergangenen Freitag hat also das Brausturm Spektakel zu einem Beer-Tasting der besonderen Art geladen. Es wurden fünf Biere vom MADbeer-Projekt präsentiert und verköstigt. Dazu gab es jeweils ein Mini Hot-Dog mit passendem Chutney und einen theoretischen Exkurs.

MAD ist eine Bier-Reihe, die vom dänischen Koch Jakob Mielcke vom Sterne-Restaurant Mielcke & Hurtigkarl und dem weltbekannten Bierbrau-Künstler Mikkel Borg-Bergsjø von Mikkeller ins Leben gerufen wurde, um das Erlebnis vom Beer & Food Pairing auf die Spitze zu treiben. Zu allen 5 Geschmacksqualitäten, die ein Mensch schmecken kann, wurde ein optimal abgestimmtes Bier kreiert, um die jeweilge Geschmacksrichtung im Bier zu unterstützen. Bitter, süß, salzig, sauer und umami haben je ein Bier gespendet bekommen.

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-11

Grundsätzlich gilt, dass jede Geschmacksqualität auf allen Bereichen der Zunge wahrgenommen wird. Vor vielen Jahren wurde zwar gelehrt, dass bestimmte Bereiche auf der Zunge nur für bestimmte Geschmacksrichtungen zuständig sind. Das ist aber schon lange widerlegt. Einige Bereiche reagieren sensibler auf gewisse Geschmacksrichtungen, aber nicht nur für eine bestimmte.

Es sind aber nicht nur die ca. 2000 Geschmacksknospen auf der Zunge, die für den Geschmack zuständig sind. Ein großer und wichtiger Teil beim Probier-Erlebnis nimmt die Nase ein. Denn sie kann weitaus mehr aromatische Unterschiede feststellen – ca. 10.000. Die optimale Geschmacks-Erkenntnis ergibt sich also nur aus dem Zusammenspiel von Zunge und Nase.

Bei einem optimalen Tasting spielen aber neben chemischen und biologischen Vorgängen noch rationale und vor allem auch emotionale Faktoren eine Rolle. Equipment, Temperatur, Umgebung/Räumlichkeiten oder Situation und Stimmung.

In einem kurzem theoretischen Abstecher von Ronald und Max wurden den knapp 20 Teilnehmern direkt zu Beginn am Abend diese Fakten präsentiert. Ein sehr interessanter und wichtiger Exkurs, wie ich finde, um sich vor Augen zu halten, wie ein richtiges Genuss-Erlebnis entstehen kann. Damit es aber nicht zu trocken und langweilig wurde, wurden Teller mit unterschiedlichsten Pulvern darauf verteilt. Durch vorsichtiges Probieren der Pulver konnte man direkt erleben, wie feine Unterschiede in den Geschmacksqualitäten zu spüren sind. Weinsäure und Zitronensäure sind zwar beide sehr sehr sauer, aber reagieren auf der Zunge leicht unterschiedlich.

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-05

Da es aber letzendlich doch primär um das Bier ging, war man folglich noch gespannter, wie sich die Geschmacksrichtungen im Bier präsentieren würden. An einem großen alten Holztisch, in der Mitte des Loft23, wurden Biere und Hot Dogs verteilt. Ein riesiges Bücherregal, Sitzecke mit Couch und die Kochnische erzeugten eine sehr heimelige und entspannte Stimmung. Aber nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die persönliche und lockere Art der beiden Veranstalter Max und Ronald, trugen zur angenehmen Atmosphäre bei.

Nicht nur die Biere alleine waren ein tolles Geschmackserlebnis. Denn jedes großartige Bier, das mit einem ebenso exzellent passenden Essen probiert wird, wird in der Kombination nur noch vorzüglicher. Elli von elliKOCHT bereitete zu jedem MADbeer einen Hot Dog mit entsprechendem Chutney zu, was zu teilweise wirklich hervorragenden Kombinationen führte.

Im Vorfeld war man sehr gespannt, wie die Biere die Geschmacksqualitäten präsentieren. Besonders das Umami-Bier ließ viele Spekulationen zu. Fleischbrühe? Oder  doch eher Instant-China-Suppe? Am Ende waren einige Biere überraschend intensiv und interessant, einige aber auch relativ unspektakuläre Vertreter ihres Stils, die eher durch die Chutney-Kombination an Spannung gewannen.

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-10

 

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-19

1. Bitter

Zutaten: Wasser, Malz (Graupen), Glukose, Hopfen (Amarillo, Citra, Centennial, Simcoe, Columbus), Shiso (Perilla/Schwarznessel)
Stil: India Pale Ale mit 6,9% alc./vol.

Die Geschmacksqualität »bitter« ist sicherlich die ungewöhnlichste in der Bier-Welt. Die im Hopfen enthaltenen Säuren erzeugen die typische Bitterkeit und lassen so manches Bier-Freak-Herz höher schlagen. Gerade die trendigen IPAs sind häufig extrem bitter, was sie auch so besonders und beliebt machen. In diesem IPA wurde allerdings zusätzlich noch Shiso, eine Art Nessel, eingebraut. Diese erzeugt eine leichte Kräuterigkeit im Bier, die neben den deutlichen Mango und Grapefruit-Aromen ein angenehmes, aber auch relativ unspektakuläres Geschmacksprofil erzeugt.
Dazu gab es den Hot Dog mit einem Kümmel-Kumquat-Chutney. Dieses war mir persönlich zu intensiv im Eigengeschmack und kämpfte etwas gegen das Bier an.

 

2. Umami:

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Cara-Pilsner, Münchner I), Hopfen (Saaz, Hallertauer, Tettnanger, Spalt Selct), Lappentang, Hefe (untergärig)
Stil: Imperial Pilsner mit 6,3% alc./vol.

Als zweites wurde direkt das mit Spannung erwartete Umami-Bier aufgetischt. Das untergärige Pilsner mit erhöhtem Alkoholgehalt wurde mit einer Alge eingebraut, die einen extremen metallischen Geruch und Geschmack erzeugte. Die Bitterkeit hält sich bei dieser Variante im Hintergrund. Beim Abgang kommen leichte Zitrus- und auch Lakritz-Noten zum Vorschein.
Ehrlich gesagt hatte ich mir unter »umami« im Bier etwas anderes vorgestellt. Es war definitiv sehr interessant, aber durch die Alge etwas zu befremdlich. Gewonnen hat das Bier allerdings deutlich durch das Mandel-Koriander-Chutney auf dem Hot Dog.

 

3. Salt:

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Cara-Münch I), weißer Kandis-Zucker, Hopfen (Styrian Goldings, Hallertauer), Ume (Japanische Aprikose), Shiso, Salz, Hefe (Ale & Brettanomyces)
Stil: Wild Ale mit 4,5% alc./vol.

Die salzige Variante aus der Bier-Reihe wurde mit einer Brettanomyces (bruxellensis) Hefe und Ume, einer japanischen Aprikosen-Art, vergoren. Im Geruch dominierte die spezielle und nicht-jedermanns-sache Hefe eindeutig. Die Frucht und die leichte Salzigkeit zeigten sich erst beim Trinken bzw. im Abgang.
Für mich war dieses Bier das interessanteste und harmonischste Bier des Abends. Die tolle Kombination mit dem ungewöhnlichen Sellerie-Bananen-Chutney auf dem Hot Dog, das einen süßlichen Pilz-Geschmack erzeugte, unterstrichen dies. Wundervoll.

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-07

4. Sur

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale), unvermälzter Weizen, alter Hopfen, Yuzu, Wild-Hefe
Stil: Spontan vergorendes Ale mit 5,5% alc./vol.

Die Gesichtszüge der meisten Teilnehmer entglitten bei der sauren Variante des Bieres. Die Yuzu-Frucht erzeugte eine deutliche und krasse Säure. Die wilde Hefe und der alte Hopfen rundeten das Bier mit einer leichten holzigen Note ab. Sicherlich veranschaulichte das Sur-Bier seine dazugehörige Geschmacksqualität am besten. Zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, wurde das Bier aber nach mehreren Schluck aus dem Glas immer interessanter und harmonischer. Besonders die im Abgang auftretende Malz-Süße zauberte wieder ein Lächeln auf das Gesicht.

 

5. Sød:

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Maris Otter, Brown, Caramalz, Chocolate, Pale Chocolate), Popcorn, Laktose, dunkler Rohrzucker, Hopfen (Centennial, Saaz, Tomahawk), Hefe (obergärig)
Stil: Porter mit 6,7% alc./vol.

Eine dunkle Bier-Variante darf in einem Tasting natürlich nicht fehlen. Dieses Porter besticht durch den hohen Zucker-Anteil (Milchzucker und Rohrzucker). Kombiniert mit Popcorn – das ich allerdings nicht herausgeschmackt habe – machte dieses Bier seinen Namen alle Ehre. Aber am interessantesten war hier sicherlich die Kombination mit dem ungewöhnlichen Chutney. Rote Beere und Granny-Smith-Apfel wurden hier von Elli verarbeitet. Was zunächst wirklich komisch klingt, passte einfach hervorragend.

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-06

Die Süße des Porters wurde allerdings nach dem Tasting aller fünf Biere aus der MADbeer-Serie noch getoppt. Max hatte eine Flasche des »Stefansgade Jungle Stout« dabei. Dieses Bier wurde in einer Gruppe von 5 Teilnehmern (zu denen Max zählte) vor einiger Zeit in der Test-Heim-Brauerei von Mikkeller in Kopenhagen gebraut. Laktritzpulver, Molasse, Zucker, Salz, Zucker und Zucker wurden neben Unmengen an Haferflocken in den 100 Liter Brautopf geschmissen. Herausgekommen ist eine tiefschwarze, ölige Zuckerbombe, die sicherlich jeden Zahnarzt vor Schreck erstarren lassen würde.

Es war eine große Freude, an diesem besonderen Tasting teilzunehmen. Neben der sympathischen, lockeren Begleitung und Präsentation von Max und Ronald vom Brausturm Spektakel, der netten Umgebung des Loft23 und den leckeren Chutneys von elliKOCHT, waren natürlich die Biere von MADbeer ein Highlight. Sicherlich war dieses Tasting nichts für Bier-Neuentdecker-Anfänger. Zu krass waren teilweise die Geschmacksprofile der Biere. Zu besonders und ungewöhnlich die Zutaten. Dennoch schienen alle Teilnehmer am Ende sowohl überrascht, als auch zufrieden zu sein. Denn Bier ist nicht gleich Bier. Bier ist Vielfalt, Komplexität und Freude.

Sicherlich wird es bald neue Tastings vom Brausturm Spektakel geben. Ich würde mich freuen, wieder teilnehmen zu können und Neues entdecken und lernen zu dürfen. Denn gerade die Kombination aus theortischen Einführungen und praktischen (Geschmacks-) Erlebnissen machen Spaß und Lust auf mehr und sind eine Bereicherung für jeden Bier-Freund.

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-14

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-17

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-09

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-13

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-01

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-04

hopshysteria-hamburg-craftbeer-craft-beer-bier-foto-photo-picture-blog-hops-hysteria-madbeer-tasting-brausturm-16

1 Antwort
  1. dan says:

    wow, das hört sich super an! coole sache, was die beiden, da auf die beine stellen! und danke für den ausführlichen bericht!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar