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London’s Finest – The Kernel & Brew by Numbers

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«The Queen is pretty amused.» Sollte sie zumindest sein. Denn in den letzten 3 bis 4 Jahren hat sich in ihrem Königreich in Sachen Bier einiges getan.

Besonders in der Hauptstadt London sprießen neue kreative Brauereien aus dem Asphalt. Die meisten hatten am Anfang noch mit Qualität und Akzeptanz zu kämpfen, ist das Thema «Craft Beer» inzwischen voll angekommen und die Namen der Brauer und Brauereien teilweise weltweit bekannt. Neben Beavertown, Howling Hops, Pressure Drop, Weird Beard oder Partizan Brewing (Beitrag bei Hops Hysteria), sind es Brew by Numbers und vor allem The Kernel, die für die neue Bewegung stehen und den Menschen zeigen, was Bier-Vielfalt sein kann.

Die Voraussetzungen in Großbritannien waren und sind sicherlich sehr ähnlich, wie in Deutschland. Es gibt eine lange Tradition von alten Bierstilen, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind. Und gleichzeitig haben sich nur wenige Stile etabiliert, die zum Großteil von den Big-Player-Konzernen produziert und eher in Massen, als in Maßen konsumiert werden. Auch gesellschaftlich hat sich das Thema Bier zurückentwickelt oder ist stagniert. Hauptsache billig und wirkungsvoll.

Vor einiger Zeit habe ich bereits auf Hops Hysteria über The Kernel geschrieben. Evin O’Riordian gilt mit The Kernel sicherlich als Vorzeige-Akteur der neuen Szene. Kreativität, Authentizität und Qualität stehen ganz weit oben auf der Prinzipien-Liste des Engländers. Sein minimalistisches Erscheinungsbild bei den Bieren und sein zurückhaltendes Auftreten als Person machen The Kernel so sympathisch. Schade, dass die Biere in Deutschland nicht erhältlich sind. Als ich jedoch vor kurzem beim monatlichen Reinheitsverbot in Hamburg vorbeischaute, standen eben genau The Kernel (unter anderem auch Pressure Drop) mit dem «Oak Aged Saison» auf der Liste. Dieses Bier hat mich vom ersten Schluck an umgehauen. Man muss dazu sagen, dass ich großer Fan von Holz in sämtlichen wahrnehmbaren Formen bin: seien es Optik, Geruch oder eben Geschmack. Die Verwendung von Holz beim Bier ist kein großes Geheimnis mehr. Allerdings wird es meistens auf dunklere und kräftigere Biere, wie Stouts oder Barley Wines, in Form von Fasslagerung angewandt.

Das «Oak Aged Saison» ist allerdings weder dunkel, noch kräftig. Mit 4% Alkohol bewegt es sich im leichten Gose- oder Berliner Weiße-Bereich. Und auch vom geschmacklichen Charakter ist es von den beiden genannten Stilen gar nicht so weit entfernt. Denn eine leichte Säure ist ebenso erkennbar. Diese hält sich jedoch absolut angenehm im Hintergrund. Und die Eiche … die Eiche! Sie ist deutlich schmeckbar und harmoniert wunderbar mit der Säure und dem Malzkörper. Es ist ein Genuss und ein Geschmacks-Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Es ist handwerklich gar nicht so einfach, eine tolle Harmonie aus Säure, Malz-Süße, Bitterkeit (die in diesem Fall kaum vorhanden ist) und eben dem Holzcharakter in einen leichten Bier-Körper zu stecken.

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Ein weiterer Vertreter der neuen Londoner Bier-Szene ist Brew by Numbers. Erst seit 2013 sind die Jungs aus dem Londoner Stadtteil Bermndsey mit von der Partie. Aber sie haben bereits ein beachtliches Reportoire an Bieren in den unterschiedlichsten Stilen. Prägend für Erscheinung ist offensichtlich die Betitelung und Aufteilung der Biere mit Hilfe von – der Name lässt es vermuten – Nummern. Die ersten zwei Ziffern auf dem Etikett beschreiben den Bierstil, die zweiten zwei Ziffern stehen für die Variante des Stils.

Eine Flasche des «01|02» wurde mir von Ben, einem der Organisatoren des Reinheitsverbots Hamburg, aus London mitgebracht (Vielen Dank nochmal dafür). Das Saison wurde ausschließlich mit Amarillo gehopft und mit Orangen-Schalen aus Sevilla eingebraut. Und diese Frische schmeckt man. Ein deutliches Zitrus-Aroma macht sich auf der Zunge breit. Kombiniert mit der deutlich im Vordergrund stehenden Saison-Hefe, ist dieses Bier ein wahnsinnig erfrischendes Sommergetränk.

Es tut sich was in Großbritannien. Immer Augen und Münder offen halten! Bei einem Ausflug auf die Insel sollte man Ausschau nach einem der oben genannten Brauereien oder deren Biere halten.

 

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