Local Option Bierwerker

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Die Bier-Szene in Chicago, USA, ist besonders kreativ, exzentrisch und boomt gerade zu. Da gibt es neben dem großen Platzhirschen Goose Island, kleine und junge Brauereien wie Solemn Oath Brewing, Off-Color Brewing oder Half Acre Brewing, um nur drei der vielen zu nennen. Seit wenigen Jahre gesellt sich auch Local Option Bierwerker zu der langen Liste. Angefangen hat bei den Jungs alles mit einer reinen, feinen Bier-Bar. Doch schnell sollte auch eigenen Bier produziert werden.


Ich habe mir vor kurzem einige Biere der Bierwerker geschnappt und außerdem noch ein paar Fragen nach Chicago geschickt, die mir freundlicherweise auch prompt von Alexi Front beantwortet wurden. Vielen Dank dafür. Aber lest selbst:

Hey Alexi, bitte stelle Dich und Local Option doch mit ein paar Worten vor.
Wir sind Local Option Bierwerker aus Chicago, Illinois. 2005 haben wir eine kleine gescheiterte Kneipe übernommen, und sie innerhalb weniger Jahre in eine der besten Bierbars der Welt (laut ratebeer.com) gehoben. Inzwischen bieten wir 31 Biere «on tap» und über 80 Flaschenbiere aus aller Welt an. Das besondere an der Bar sind die teilweise schwer zu bekommenen Biere, die wir manchmal sogar vom Fass anbieten können.

2008 haben wir dann begonnen uns mit Kollborations-Bieren einen Namen zu machen. Wir haben unter anderem mit Goose Island (Chicago), Three Floyds (Indiana), Blue Grass Brewing Company (Kentucky) und Struise (Belgien) zusammen gearbeitet.

Wann habt Ihr angefangen Euer eigenes Bier zu brauen?
2011 ging es mit unseren eigenen Bieren los, die wir in den Brauereien von Against the Grain in Louisville und Dark Horse brauten. Alle genannten Brauereien sind eng mit uns befreundet, weswegen wir auch gerne zusammenarbeiten – das ist uns enorm wichtig. Die ersten Biere waren Dampf Loc, Morning Wood, Prospect Pils, American Muscle, Schmetterling Gose und das Kentucky Common. Unsere Biere sind heutzutage in 30 Bundestaaten der USA und ganz selten auch in Europa erhältlich.

Warum wolltet Ihr Bier brauen? Gab es einen besonderen Grund?
Unser Ziel war es eigentlich, immer absolut trinkbares und besonderes Bier herzustellen. Als Barbetreiber, die über 800 unterschiedliche Biere jährlich ausschenken, bekommt man viele Trends mit. Wir lassen uns auch absolut von amerikansichen Bieren und besonders europäischen Bieren inspirieren, aber letzendlich kann man immer das typische an einem Local Option Bier herausschmecken – egal, ob es ein Dampf Loc (5,3%), oder ein American Muscle (12,5%) ist.

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Was denkt Ihr über die explodierende Craft Beer-Verfügbarkeit in den USA? Seht Ihr es eher negativ oder positiv?
Wir haben die explodierende Craft Beer Szene hautnah miterlebt und sind natürlich mit unseren Bieren und unserer Bar Teil des ganzen. Teilweise bekommt man gar nicht mit, wo welche Craft Beer  Brauerei in Chicago neu eröffnet hat. Da verliert man leicht den Überblick.

Für den Konsumenten ist es einfach toll, dass er heutzutage diese riesige Auswahl an Bieren hat. Aber das bedeutet auch gleichzeitig, dass er sehr viele mittelmäßige Bier probieren muss, um ein wirklich gutes zu finden. Da ist es natürlich gut, dass viele Bars und Restaurants, die vorher nur Bud oder Corrs ausgeschenkt haben, den Weg zum guten Bier gefunden haben. Das ist der richtige Weg.

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Beobachtet Ihr auch die europäische Craft Beer Szene?
Ja, natürlich schauen wir sehr genau über den großen Teich. Wir reisen sogar zweimal im Jahr auf Beer Festivals in Europa. Für uns ist es sehr wichtig und interessant, was bei den Konsumenten in Europa ankommt und beliebt ist.

Was denkst Du über deutsches Bier? Bekommt man bei Euch etwas von der kleinen deutschen Craft Beer Szene mit?
Wir lieben deutsches Bier. Wie man wahrscheinlich an unseren Bieren erkennt brauen wir sehr gerne deutsch-inspirierte Bierstile. Neben den Standards wie Pilsner und Maibock, produzieren wir auch die etwas vergessenen und alten Stile wie Gose oder Dampfbier. Wir schauen uns die kleinen Brauereien in Deutschland sehr genau an. Sebastian Sauer von Freigeist zum Beispiel ist ein guter Freund von uns, dessen Biere schon häufig bei uns ausgeschenkt wurden. Auch Fritz von AleMania (Anmerkung: ehemals FritzAle) kennen wir gut. Die Biere, die die beiden als «The Monarchy» brauen, haben wir ebenfalls schon häufig in der Bar ausgeschenkt. Ich finde die Biere von Fritz sind die authentischsten Interpretationen von den typisch amerkanischen Bier-Stilen, die es derzeit in Europa gibt.

Leider gehen die meisten leckeren Aromen im deutschen Bier einem langen Transport über den Atlantik verloren. Wenn sie dann auch noch gelagert werden, auf dem Landweg transportiert werden müssen und endlich beim Händler ankommen, schmecken sie häufig nicht mehr, wie sie sollten. Viele amerkanische Craft Breweries halten sich nicht an die ursprünglichen deutschen Bierstile, sondern überhopfen sie beim Brauen oder lagern sie einfach falsch. Deswegen versuchen wir uns mit unseren Bieren wie Dampf Loc, Voku Hila, Prospect Pils und Schmetterling Gose, so nahe, wie möglich an alten Rezepten zu halten, damit unsere Kunden diese Stile frisch und so authentisch wie möglich erleben können.

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Was habt Ihr für die Zukunft geplant?
Wir wollen eigentlich weiterhin absolut trinkbare und ausbalancierte Biere produzieren, die typisch für Local Option sind.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg, Alexi und Local Option!

(Das Interview wurde per Email auf englisch geführt und von mir übersetzt. Fehler sind menschlich!!!)
Und wie so häufig wurden die Biere beim Bierkompass geordert.

Für die Hardcore-Gestaltung und die Illustrationen ist übrigens Axel Widen aus Schweden zuständig. Alexi und Axel kennen sich noch aus Zeiten, als Alexi Manager und Booker von Metal-Bands war, deren Artworks Axel gezeichnet hat. Was „Vorne geschäftlich feiern, in dem Bock“ bedeutet, weiß ich allerdings nicht so ganz.

Abgebildete Biere:
Local Option Morning Wood
Local Option Blood ov the Kings
Local Option Voku Hila

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5 Antworten
  1. Alex says:

    Nettes Interview, danke.
    Der Satz „Vorne geschäftlich, feiern in dem Bock“ bezieht sich auf eine amerikanische Beschreibung zur Vokuhila-Frisur (Vorne kurz, hinten lang): Business in the front, Party in the back.
    Netter Pun, der mich direkt dazu bringt, dieses Bier probieren zu wollen 🙂

  2. Hops Hysteria says:

    Haha, vielen Dank. Das ist natürlich ziemlich nice. Und ich hätte Lust, mir jetzt einen VokuHila wachsen zu lassen… 😉 Kann man ja mal wieder zum Trend machen.

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  1. […] Voku Hila von Local Option (Interview) aus Chicago hatte einen extremen Eigengeschmack, den ich bisher nur bei einem deutschen Bier […]

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