GOSEANNA! Die Gose aus Leipzig.

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Auf der einen Seite passt der alte deutsche Bierstil, die Gose, nicht wirklich zu Hops Hysteria. Denn sehr viel Hopfen wird bei der Produktion einer Gose nicht verwendet – eine Hopfen-Hysterie ist ausgeschlossen. Aber auf der anderen Seite ist die Gose ein sehr interessantes Bier, das erstaunlich gut zu der modernen Bier-Bewegung, passt. Kreativ, vielfältig. Anders und modern, aber mit historischem Hintergrund.

Die Gose ist ein saures, erfrischendes Bier auf Weizenmalz-Basis, das mit der Berliner Weiße verwandt ist. Jedoch wird sie mit Kochsalz und Koriander eingebraut und ist geschichtlich gesehen viel älter. Bereits vor über 1000 Jahren soll die Gose in damaligen deutschen Landen gebraut worden sein. Kaiser Otto III. war wohl ein großer Gose-Fan. Erste dokumentarische Erähnung fand die Gose allerdings erst einige hundert Jahre später um 1332. Demnach wurde das saure Bier in rauhen Mengen unter anderem nach Hamburg exportiert. Wieder einige Jahre später, 1470, wurde das Bier auch das erste mal im Herkunftsort Goslar erwähnt. Durch Goslar fließt der Fluss «Gose», aus der vermutlich das salzige Wasser zum Bier-Brauen verwendet wurde. Das gab dem Bier die salzige Note. Und den Namen. Und dieser Name machte schnell die Runde. Das Bier wurde immer beliebter und verbreitete sich schnell in Nachbarsregionen und wichtigen Handelszentren Deutschlands.

Doch Kriege bewirkten immer wieder einen Bruch in der Verbreitung und Beliebtheit der Gose. Zunächst der Dreizigjährige Krieg und viele Jahre später die beiden Weltkriege. Nach dem Dreizigjährigen Krieg, der nicht nur politisch für Verwirrung sorgte, verlegte sich das Zentrum der Goseproduktion nach Anhalt und vermutlich von dort im Jahre 1738 nach Leipzig. Und hier startete der große Siegeszug der Gose. Napoleonische Truppen, Einwohner, Studenten und «Promis», wie Johann Wolfgang von Goethe, waren von dem erfrischenden Getränk überwältigt und es wurde das ein oder andere Glas täglich verdrückt – wobei ein damiliges Gose-Glas 0,8 Liter fasste:

«Es trinken täglich die Studiosen
So zwischen zwei und 20 Gosen!»
(Sprichwort)

 

Immer mehr Gose-Brauereien eröffneten die Pforten. Eine davon ist die Döllnitzer Gose-Brauerei, die auch heute – nach etlichen trockenen Jahren – die «Ritterguts Gose» nach original Rezeptur braut. Bis es jedoch soweit war, zerstörten Bomben im 2. Weltkrieg Produktionsstätten und Ausschank-Örtlichkeiten in Leipzig. Und auch nach dem Krieg machten politische Entscheidungen, wie z.B. die Rationalisierung von Weizen in der DDR, eine Wiedereröffnung und einen Neunfang für die Gose nicht leicht. Kurz vor der Wende, genauer 1985, wurde ein neuer Versuch gestartet, indem die historische Goseschenke «Ohne Bedenken» neu eröffnet wurde. Und diesem Versuch ist es zu verdanken, dass wir auch heute noch das großartige Bier trinken dürfen.

Es gibt noch viele Unklarheiten in der Geschichte der Gose. Es wird weiterhin viel erforscht und nach verlässlichen Quellen geforscht. Klar ist jedoch, dass neben den charakteristischen Zutaten von Weizenmalz, Kochsalz (das das salzige Wasser des Flusses «Gose» simulieren soll) und Koriander, heutzutage biologische Milchsäurebakterien verwendet werden, die der Gose den interessanten erfrischenden Geschmack verleihen. Vor circa 1000 Jahren wurden sicherlich noch keine Bakterien verwendet. Damals entstand die Säure auf ganz normalem Wege. Es wurde nicht so sauber gearbeitet, die Voraussetzungen waren auch ganz anders. Hinzu kamen wilde, in der Luft umherschwirrende Hefe-Kulturen, die sich auf das Jungbier setzten und ihren Teil zur Säure beisteuerten. Weiterhin typisch ist der geringe Alkoholgehalt im Bereich von 3–4%. Das verleitet natürlich dazu, so wie die Studenten damals, mehrere Flaschen zu trinken. Doch aufgpasst! Zuviel der guten Gose kann den Verdauungs-Trakt zu sehr anregen und zu unerwünschten mitunter peinlichen Situationen führen. Milchsäure sei dank!

«Ein Wundertrank ist wohl die Goßlarische Gose.
Wer dessen zu viel trinkt, der nehm‘ in acht die Hose»
(aus „Der vollkommene Bierbrauer“, Frankfurt und Leipzig 1784)

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Nach wie vor ist Leipzig die Gose-Hauptstadt der Welt. Von dort aus startet langsam aber sicher ein neuer, moderner Siegeszug des Bier-Stils. Jedoch zunächst erst im Ausland. Wieder mal ist die USA mit ihrer florierenden Craft Beer-Szene, die den Stil für sich neu entdeckt hat und mit modernen, teilweise auch neu interpretierten Rezepten, umsetzt.

Für mich persönlich ist auch das der Grund, weswegen ich erst jetzt diesen Stil neu entdeckt und lieben gelernt habe, obwohl er doch in Leipzig schon lange bekannt ist. Das intensivere Befassen mit Bier im weitesten Sinne, öffnet einem den Horizont und macht die Vielfalt dieses wundervollen Getränks deutlich. Und dann stößt man plötzlich auch auf historische Fakten, die einem vorher nicht bewusst waren. Deutschland ist ein Bierland – das ist klar. Reinheitsgebot und so. Aber da gab es viel viel mehr. Die interessantesten und kreativsten Bier-Stile sind teilweise auf der Strecke geblieben. Das neue Bier-Bewusstsein entdeckt diese alten Stile derzeit nach und nach neu und versucht diese Vielfalt wieder in Erscheinung treten zu lassen. Ob es nun original Rezepte sind (die allerdings schwer zu erforschen sind), oder moderne Neuinterpretationen. Wir können uns sicherlich auf viele neue Stile freuen, die es hierzulande vor vielen hundert Jahren schon einmal gegeben hat. So hatten doch viele Regionen einen eigenen Bier-Stil. Das Thema ist wahnsinnig interessant und wird sicherlich einen eigenen Beitrag gespendet bekommen.

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Nun ist es aber erst einmal die Gose, die in aller Munde ist. In Leipzig und bei Chemnitz, in der Hartmannsdorfer Brauerei, wird schon seit einiger Zeit gebraut, Goslar und einige wenige traditionelle Brauerein folgten. Doch auch die jungen wilden Craft Brauer lassen sich nicht lumpen und brauen Gose. Allen voran ist es Fritz Wülfing von Ale-Mania, der erst vor kurzem seine Interpretation der Gose ausschenkt. Gemeinsam mit Sebastian Sauer braut er ebenfalls unter den Namen The Monarchy schon seit einiger Zeit alte deutsche Bier-Stile. Meistens weichen diese vermutlich etwas von den original-Rezeturen ab, aber das tut dem Genuss keinen Abbruch.

Der original Gose kommen die beiden Vertreter aus Leipzig und Umgebung sicherlich am nächsten. Allen voran die Ritterguts Gose der Brauerei Hartmannsdorf. Sie versichern, dass ihre Gose nach dem ursprünglichen Leipziger Rezept gebraut wird. Und dass das schmeckt und ankommt zeigt nicht nur eine Auszeichnung beim World Beer Award, bei dem die Ritterguts Gose Gold gewonnen hat, sondern auch der große Export ins Ausland.

Hops Hysteria konnte jetzt die Vertreter der Ritterguts Gose aus der Brauerei-Flaschenabfüllung, die Schank-Abfüllung aus der Goseschenke «Ohne Bedenken» und die Variante aus dem Bayerischen Bahnhof in Leipzig, der seit 2000 Gose braut, testen und vergleichen.

So gibt es in der Tat einige kleine aber feine Unterschiede. Alle Varianten sind wahnsinnig erfrischend und perfekt für einen warmen Sommertag. Die Säure ist deutlich schmeckbar, aber nicht so extrem, wie zum Beispiel in einer Berliner Weiße. Bei der Gose vom Bayerischen Bahnhof ist der Koriander deutlich vernehmbar. Es kommen klare Zitrus-Aromen hindurch. Wenn man nicht wüsste, dass es eine Gose ist, die man gerade trinkt, könnte man auch an ein Radler/Alsterwasser denken – allerdings nur aus natürlichen Zutaten. Die Original Ritterguts Gose hingegen schmeckt etwas harmonischer. Säure, Koriander, Salz und Malz sind perfekt abgestimmt. Besonders die Malzsüße, die sich im Abgang bermerkbar macht ergibt einen tollen Kontrast zur frischen Säure. Die Schank-Abfüllung hat etwas weniger Alkohol (4,0% > 4,2%), als die Flaschenabfüllung. Aber beide sind vom Geschmack her nahezu identisch.

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3 Antworten
  1. Christoph says:

    Schöner Artikel, Danke! Ich habe im April in Italien eine Leipziger Gose aus der Maremma getrunken. Das hat mich auch ziemlich überrascht.

  2. Günther Thömmes says:

    Hallo, schöner Artikel zu einem tollen Bier. Möchte gerne anmerken, dass ich mit meiner Bierzauberei außerhalb von D und USA der wohl aktivste Gosebrauer bin. Ich habe bislang in drei Ländern (Österreich, Ungarn und Brasilien) die jeweils erste Gose überhaupt für kommerzielle Zwecke gebraut. Bei der Braukunst Live! hatte ich erstmals Bier aus einem Versuchssud „POWERGOSE“ dabei, einer milden Gose mit 16,8 °P. Kam extrem gut an und geht diesen Sommer in größere Produktion. Goseanna!

  3. Hops Hysteria says:

    Hallo Günther. Auf Deine POWERGOSE freue ich mich extrem. Das klingt richtig super. Hoffe, sie schafft den Weg auch in den Norden – ansonsten komme ich mal wieder nach Österreich.

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