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Holz ist ein tolles Material. Stabil, widerstandsfähig und natürlich. Besonders der letzte Punkt ist wichtig für die Verwendung von Holz beim Bierbrauen. Denn das Naturprodukt besitzt Eigenschaften, die einem Bier zusätzlichen Charakter verleihen können.

Das weiß auch Alexander Himburg vom BrauKunstKeller. Vor einigen Tagen veröffentlichte er einen ganz besonderen Sud, der in mehrere Teile aufgeteilt ist. Seine streng limitierte Wood Kollektion basiert auf einem Grundrezept, was einem Red IPA relativ nahe kommt. Das Basisbier (ebenfalls erhältlich) besitzt 7,5% Alkohol und einen Bittwert von 62 IBU. Diese wurden unter anderem mit den aktuell sehr beliebten Hopfensorten Amarillo, Chinook und Cascade erreicht. Nun aber zum Außergewöhnlichen: der Sud wurde in fünf gleiche Teile aufgeteilt und jeweils mit einer eigenen Art von Holzchips für eine Woche gelagert. Neben unbehandelten Akazien-, Kirschbaum-, Buchen- und Sandelholz wurde auch Maulbeerbaum verwendet. Die Holzchips der Maulbeere waren  leicht geröstet, die anderen Chips lediglich nur getrocknet.

Nach den 10 Tagen Lagerzeit wurden die Flaschen handabgefüllt und sind nun für einige von uns Beer-Geeks verfügbar. Ich hatte das Vergnügen, vier der fünf Biere aus der Wood Kollektion zu probieren und Alexander dazu zu befragten. Und um eines vorweg zu nehmen. Ich bin überrascht und begeistert, wie unterschiedlich die Biere schmecken, was das Holz also für einen großen Einfluss auf das Bier gehabt hat. In einer kleinen Verkostung an einem Samstagabend habe ich Unterschiede und Besonderheiten herausschmecken können, wobei leider die Reihenfolge der Biere wahrscheinlich nicht optimal gewählt war – was ich aber vorher nicht wusste.

Alle Biere waren optisch ziemlich identisch. Kastanienbraun, leicht rötlich und etwas trübe. Der Schaum war auf Neudeutsch off-white, hielt sich allerdings nicht lange im Glas.

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Begonnen habe ich mit dem Kirschbaum-Holz-Bier, welches für mich nicht typisch nach den erwähnten Hopfensorten roch, sondern etwas mehr nach dunklen Früchten und Rosinen, etwas Orange und süß. Die malzige Süße ist auch die dominierende Note beim Geschmack. Begleitet wird sie von leichten Fruchtnoten, wie Orange. Dann plötzlich merkt man definitiv auch eine leichte Kirschnote. Erstaunlich! Etwas unangenehm empfand ich die Bittere, die im Abgang etwas kratzig im Hals stecken blieb. Aber das habe ich nur bei der Kirschbaum-Version gemerkt.

Anschließend habe ich das Bier mit dem Akazien-Holz probiert. Neben der viel geringeren Süße im Vergleich zum Bier mit Kirschholz, viel auch eine leicht nadelholzige Note auf. Obwohl die Akazie kein Nadelgehölz ist. Aber eventuell spielt hier der Chinook-Hopfen eine große Rolle mit. Diese Version empfand ich als sehr ausgewogen und angenehm. Da ich den Nadelholz-Geschmack total liebe, war für mich dieses Bier angenehm zu trinken.

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Der Geruch vom Sandelholz-Bier schreckte mich zunächst extrem ab. Eine leichte chemische Note kroch in die Nase. Der Schrecken gehörte aber nach dem ersten Schluck zum Glück der Vergangenheit an. Das Sandelholz dominiert das gesamte Bier. Wie Rooibos-Tee, der etwas duun macht. Eine leichte malzige Süße begleitet das Holz und lässt es zu einem sehr charakterstarken Bier werden.

Bei der Buchen-Version der Wood Kollektion vom BrauKunstKeller habe ich gemerkt, dass die Reihenfolge des Tastings nicht optimal gewählt war. Direkt nach der Geschmacksbombe Sandelholz, wirkte die Buche sehr zurückhaltend und etwas fade. Leider. Alexander meinte, dass es eigentlich ein intensives Bier sei.

Vielleicht liegt es aber auch am schwindenden Aroma. Im Gegensatz zu fassgelagerten Bieren, bei denen die Oxidation stabiler abläuft und somit auch das Aroma des Holzes über Jahre im Bier enthalten bleibt, teilweise sogar noch intensiver wird, findet bei der Verwendung von Holzchips in Bier keine richtige Oxidation statt, sodass der Geschmack auch nur viel kürzer enthalten ist. Es könnte also sein, dass das Buchen-Aroma im Bier bei dieser Variante schon nach relativ kurzer Zeit entflohen ist. Aber vielleicht habe ich es auch nach dem Sandelholz einfach nicht mehr geschmeckt. Eine leichte Holznote war dennoch vorhanden, jedoch sehr dezent im Hintergrund.

Es hat Spaß gemacht, beim wunderbar umgesetzten Holz-Projekt von Alexander Himburg die doch erstaunlich großen Unterschiede festzustellen und anschließend noch relevante Infos zum Vorgang und zur Idee von Alexander zu bekommen. Holz ist einfach ein geiles Zeug und in Kombination mit Bier ein Genuss. Ich freue mich auf weiter Holz-Experimente.

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Wenn Hobbybrauer selber  mit Holzchips arbeiten wollen, kann man unterschiedliche Ausführungen im Fässershop (Wilhelm Eder) bestellen.

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2 Kommentare
  1. dan sagte:

    das ist ja sehr spannend! danke fürs tasting. vermute mal ich bekomme die biere nicht mehr über die shops zusammen 😉
    wäre grossartig, wenn Alexander und alle anderen Crafter, direkt SETS (für uns) anbieten. Ich fand es schon bei den Riegele Sachen extrem umständlich, alle zusammenzubekommen. Hier lobe man mal wieder Brewdog und ihre YEAST und HOPE Sets.

    Egal: auf der BKL war Eder auch sehr aktiv und es ist steht definitiv auf meiner Liste als homebrew experiment. Düsseldorfer Alt meets Woodchips 😀

  2. Hops Hysteria sagte:

    Das wäre eine sinnvolle Maßnahme. Sets sind immer attraktiv. Vermutlich schrecken dann aber auch die auf dem ersten Blick hohen Kosten viele ab. Auf der anderen Seite funktioniert es ja bei BrewDog auch …
    Werde bei einem meiner nächsten Homebrews sicherlich auch mal Holzchips verwenden.

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