Braufest Berlin 2015

Es war mal wieder Zeit, nach Berlin zu fahren. Endich mal wieder. Eigentlich sollte man jedes zweites Wochenende dort sein, denn Events und Eröffnungen scheinen in der Hauptstadt seit einiger Zeit fast an der Tagesordnung zu sein. Das vergangene Wochenende stand allerdings ganz im Zeichen des Braufest Berlin 2015.

Das Braufest Berlin fand dieses Jahr bereits zum dritten mal statt. Nach einem ausführlichen Besuch 2013 und einem etwas sporadischen und eher enttäuschenden Vorbeischauen 2014 (was im übrigen nicht an der Veranstaltung an sich lag), war die Vorfreude umso größer, dieses Jahr wieder intensiver teilzunehmen. Nicht nur die extrem erweiterte Liste der Brauereien aus Deutschland und Europa, sondern auch die bisherige diesjährige Festival-Erfahrung bei der Copenhagen Beer Celebration (Bericht folgt), ließen schon im Vorfeld Beine und Zunge tanzen.

Braufest Berlin 2015 - Brown Ale

Neben der langen Brauer- und Aussteller-Liste wurde allerdings auch das ganze Drumherum größtenteils geändert. Immer noch auf dem absolut genialen RAW-Gelände in Friedrichshain gelegen, wurde das Festival allerdings aufgrund der extrem gut besuchten Festivals der Vorjahre um ein paar Meter verlegt. So konnte nicht nur der Eingang etwas besser kontrolliert werden, sondern es hätten auch mehr Besucher Platz gefunden. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Der Platz war da. Die Gäste blieben aus. Konnte man es am Donnerstag noch auf das schlechte Wetter schieben, war spätestens am sonnigen Freitag verwunderlich, dass auch zur fortgeschrittenen Abendzeit kaum ein Berliner oder Tourist den Weg auf das charaktervolle Gelände gefunden hat. Für die Besucher war es sicherlich angenehm, da kein Gedränge an den Brauer-Ständen herrschte, man immer mit einem der Brauer ins Gespräch kam und auch sonst genügend Platz vorhanden war, um mit den Schuhen Kreise in den stubigen Boden zu ziehen …

Braufest Berlin 2015

Woran lag es? An der immer noch für Massen unbekannten neuen Bier-Welt? Sicherlich nicht – in keiner anderen deutschen Stadt ist das Thema so präsent. An den neu eingeführten 2€ Eintritt? Vermutlich nicht, sie sind absolut angebracht und sollten für jeden Interessenten kein Problem sein.

Vielleicht an der Organisation? Es ist sicherlich kein Zuckerschlecken, ein solch großes Festival in Berlin auf die Beine zu stellen. Und es wäre auch unfair, als Außenstehender eine Schuld ausschließlich bei der Organisation zu suchen. Aber nach einigen Gesprächen mit Beteiligten scheint doch hier der ein oder andere Wurm drin zu stecken. Ob es nun mangelnde Werbung auf allen Kanälen ist, oder die kurzfristigen Ansagen oder Absagen beim Festival an sich. Im Nachhinein betrachtet wirkte die Veranstaltung doch leicht naiv geplant.

Braufest Berlin 2015 - Tillmans Biere

Als Besucher merkte man es eigentlich nur anhand der wild durcheinander gewürfelten Stand-Nummern, oder am Glaspfand-Wirrwarr. Alles absolut nicht wirklich tragisch. Tragisch ist es allerdings für die Brauer und Aussteller, die einen teilweise extrem weiten Weg nach Berlin auf sich genommen haben, um den angekündigten Massen ihr tolles Bier auszuschenken. Sie werden vielleicht auf ihren Kosten sitzen bleiben und – wenn es hart kommt – nicht wieder kommen.

Ich hoffe es nicht. Denn gerade die Vielfalt und das Ambiente auf dem Braufest ist es, was es besonders und vielleicht auch die Berliner Art, die es sympathisch macht. Denn es war toll, Biere von alten Freunden aus Deutschland zu trinken und sich währenddessen mit den netten Brauern zu schnacken. Aber es auch immer wieder toll, neue, unbekannte (internationale) Biere und Gesichter zu treffen: BrewAge aus Österreich, Birrificio di Lambrate aus Italien, Pōhjala aus Estland, Lervig aus Norwegen und Pinta aus Polen. Wobei es ganz sicherlich noch mehr sehr interessante Brauereien zu entdecken gab. Leider war zeitlich und leber-technisch nicht mehr möglich … zum Glück gab es neben einigen versteckten Food-Möglichkeiten auch leckeren cold-brewed Kaffee von Good Spirits oder sehr leckeren Apfelsaft von Mostquetsche.

Braufest Berlin 2015 - Birrificio Lambrate

Nun bleibt allen Brauern und Ausstellern zu wünschen, dass sich die «Schäden» in Grenzen halten und sie dennoch die Möglichkeiten des Braufests erkennen und wiederkommen werden. Auch den Veranstaltern drücke ich die Daumen und wünsche Mut für das kommende Jahr. Hops Hysteria wird definitiv wieder dabei sein – egal wo und wer mitmacht. Ich freue mich auf 2016.

Braufest Berlin 2015 - Besucher

Braufest Berlin 2015 - Grätzer von Pinta

Das Bier des Abends: Grodziskie von Browar Pinta. Ein alter polnischer Bierstil (Grätzer). Leicht rauchig, frisch, leicht.

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