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BRAUFEST BERLIN 2013

Ich lege mich fest: Berlin ist die Craft Beer Hauptstadt Deutschlands. OK, vielleicht war auch schon vor dem Braufest Berlin klar, dass es so ist. Aber jetzt ist es definitiv.

Drei Tage Braufest sind nun vorüber. Es wurde viel unterschiedliches Bier getrunken. Vielleicht zu wenig, aber der Genussfaktor ist bei dieser Qualität ein Muss und darf von der Lust und Laune nicht übergangen werden. Dennoch waren es ausreichend Biere, um sich auf die obige Aussage stützen zu können. Die Qualität, die die kleinen Brauereien den Besuchern zu bieten hatte war größtenteils gut. Da wurde neben den regulär über das Jahr gebrauten Bieren, wie das XPA (Schoppe) oder das WPA (Beer4Wedding), eben auch Biere präsentiert und angeboten, die speziell für das Braufest hergestellt wurden, so z.B. das Hefeweizen von Bogk-Bier. Aber auch nur saisonale oder kurzfristig erhältliche Biere gab es zu erleben.

Auf dem Braufest waren insgesamt 17 Brauereien. Der Fokus lag auf Berliner Craft- oder Micobreweries. Aber auch der BrauKunstKeller aus dem Odenwald war dabei, bayerische, bekanntere Namen (Andechs, Schneider Weisse, Mahrs) oder Brauereien aus Österreich (Bierzauberei), Ungarn (Hopfenantic Brewery) und der Slowakei (Kaltenecker Pivovar).

Startete das Fest bereits am Donnerstag, wurde es doch erst am Freitag unspektakulär und kaum merklich in recht kleinem Rahmen auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain eröffnet. Das Gelände ist perfekt für ein Craft Beer-Festival geeignet. So passt es einfach, dass das Gelände kein offizielles, steriles Messegelände ist, sondern wie ein stillgelegtes Industriegelände wirkt und nun hauptsächlich von kleinen Clubs betrieben wird. Kein Hochglanz-Chic, sondern Graffiti und Backstein-Ruinen. Das ist authentisch und man fühlt sich wohl. Wohl hat man sich bei dem Wetter ebenfalls gefühlt. Die Sonne zeigte sich von ihrer guten Seite. Das erhöhte die Genuss-Laune.

Am Freitag sollte außerdem ein Runder Tisch stattfinden, der meine obrige Aussage thematisierte und die Frage stellte, was man denn noch in der Craft Beer-Community und in der/bzw. für die Öffentlichkeit tun könne, um Berlin als Craft Beer Hauptstadt zu festigen. Davon hat man leider nichts mitbekommen. Vielleicht war er auch nur für ein ausgewähltes Publikum vorgesehen. Nach einem langen Verköstigungs-Tag wurde dann – wer noch konnte – im Badehaus Szimpla direkt auf dem Gelände mit Live-Musik gefeiert. Die Stimmung bei Besuchern und Ausstellern war sehr gut. Alles lief  friedlich und entspannt ab. Am Abend waren die Stände teilweise sogar überfüllt, so dass man etwas länger auf ein Bier warten musste.

Zum Abschluss wurden das beste bzw. beliebteste Bier des Festivals gewählt. Die Fachjury entschied sich für das «XPA» von Thorsten Schoppe, die Besucher wählten das «Down Under Ale» von Hops & Barley. Leider habe ich keines der beiden probiert …

Es war ein tolles Festival. Umgebung, Auswahl der Brauer, Veranstaltungs-Politik und Stimmung der Besucher stimmte absolut. Ich finde es toll, dass sich in Berlin so viel tut und wünsche es mir für viele weitere Städte in Deutschland (next: Hamburg, please). Hoffentlich etabliert sich das Braufest Berlin als kleines feines Bier-Festival für die besonderen lokalen Biere. Es hat Spaß gemacht und ich komme nächstes Jahr definitiv wieder!

 

Hier eine grobe Auflistung der Biere, die es auf dem Fest zu kosten gab:

 Thorsten Schoppe von Schoppe Bräu präsentierte den Besuchern eigentlich alle seiner Kreationen – besonders hervorheben möchte ich das «Fresh Hopped Lager», das mit vom Braumeister höchstpersönlich geernteten Hallertauer Tradition-Hopfen für circa eine Woche nass gehopft wurde.

Die erst kürzlich eröffnete, Community-finanzierte Vagabund Brauerei beeindruckte durch die sehr amerikanisch anmutenden Bier-Kreationen. Kein Wunder, sind die Macher doch US-amerikanischer Herkunft. Das «Lemon Steam Lager» war allerdings absolut nicht mein Fall, es schmeckte doch sehr nach Badreiniger. Wobei das «Imperial IPA» absolut überzeugen konnte.

Das Beer4Wedding-Projekt hatte neben dem Wedding Pale Ale (WPA) ein exklusives Amber Ale im Angebot, das vor kurzem in einer Kooperation mit der dänischen Brauerei Stronzo entstand.

Für mich inzwischen ein Pflichtbesuch, wenn ich in Berlin bin, ist das Hops & Barley. Gibt es dort doch jedes mal etwas neues zu schmecken, was immer wieder hervorragend ist. Hops & Barley tischte neben zwei Bieren («IPA», «Down Under Ale») auch ein Cider auf.

Vor einigen Monaten berichtete ich kurz über Heidenpeters in der Markthalle Neun und war begeistert über Atmosphäre in der Halle und von den Bieren von Johannes. So freute ich mich auch auf die neuen Biere von ihm und wurde natürlich nicht enttäuscht. Das «Thirsty Lady» war ein solides Pale, das etwas stärkere «Thirsty Man» habe ich leider nicht probiert, da es am Freitag recht schnell ausverkauft war. Aber das Highlight war das «Spiced Ale». Ein mit Chilis gebrautes und mit Aprikosen fermentiertes Amber Ale. Schmeckte man die Aprikosen nicht wirklich heraus, machten sich die Chillies sehrwohl leicht bemerkbar. Ein pfeffriger Charakter harmonisierte perfekt mit der malzigen Süße des Ales. Es hatte etwas von einem Saison, wurde allerdings mit einer typischen amerikanischen Hefe vergoren. Lecker!

Zu dem BrauKunstKeller braucht man eigentich nicht mehr viel schreiben (obwohl ich es an dieser Stelle demnächst machen möchte). Alexander Himburg hatte nicht nur mit dem Pale Ale, Laguna IPA und dem Amarsi IPA eigentlich die meiner Meinung nach besten seiner Biere dabei, sonder brachte auch das neue Double IPA mit. Mehr Alkohol und mehr Hopfen für die müden Bier-Gemüter um wieder in Schwung zu kommen.

Meine persönlich größte Enttäuschung war jedoch das Craft Werk. Ich hatte das Howly Cowl probiert. Eigentlich ein starkes belgisches Tripel. Soviel von einem Tripel hatte es meiner Meinung nach allerdings nicht, sondern viel mehr von Kaugummis aus dem Automaten. Mich interessieren jetzt natürlich die anderen zwei Biere des Unternehmens, damit ich meine Meinung zum Bitburger-Ableger abrunden kann.

Veranstalter:
Daniel Bart (Craft Beer Festival Fözdefeszt) , Attila Kiss (Badehaus Szimpla)

3 Antworten

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  1. […] Braufest Berlin fand dieses Jahr bereits zum dritten mal statt. Nach einem ausführlichen Besuch 2013 und einem etwas sporadischen und eher enttäuschenden Vorbeischauen 2014 (was im übrigen nicht an […]

  2. […] Richtung. Weitere schöne Berichte rund um das Braufest Berlin gibt es bei den Blogger-Kollegen Hopshysteria, probier und fjrk.net (in […]

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