Der dänische Widerstand: Christian Skovdal Andersen von Beer Here

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Fragt man den allgemeinen Bier-Freund nach Bier aus Dänemark, hört man sicherlich als erstes den Namen des großen Weltkonzerns mit dem Anfangsbuchstaben C. Dieser dominiert auch weiterhin den Markt unserer Nachbarn im Norden. Nicht alleine deswegen hat sich dort schon vor vielen Jahren eine Widerstandsbewegung entwickelt.
Christian Skovdal Andersen ist ein Teil dieser Bewegung. Er ist der Gründer von Beer Here und eckt auf der einen Seite mit seinen Bier-Kreationen an, begeistert auf der anderen Seite aber mindestens genau so sehr. Hops Hysteria hat einige Fragen nach Køge geschickt, um mehr über Beer Here und Bier in Dänemark zu erfahren.

Hey Christian, Du bist der Mann hinter Beer Here. Wann hast Du deine Brauer-Karriere angefangen und warum?
Nachdem ich einige Jahre in meiner Küche selber Bier gebraut habe, habe ich 2003 mit meinem Geschäftspartner alles etwas professioneller angefasst. Ok, vielleicht nicht so ganz professionell, da wir doch noch relativ wenig Ahnung vom ganzen Thema hatten. Wir hatten damals ein Software-Unternehmen und wollten einfach zum Spaß Bier für uns brauen. Also haben wir eine aussortierte Brauanlage aus UK gekauft und nach Dänemark verschifft. Das war der Anfang von der sogenannten Ølfabrikken. Und bald lief das ganze. Ich vermute, es lag auch daran, dass wir einfach nicht so sehr auf die Einnahmen aus der Brauerei angewiesen waren. Wir haben einfach die Styles gebraut, die uns persönlich am meisten gefallen, und nicht den laschen Kram, den die meisten Microbreweries in Dänemark zu der Zeit brauten. Und andere mochten das auch – besonders die hopfigen Biere.

2008 bin ich dann bei der Ølfabrikken ausgestiegen, um einen normalen Job mit regelmäßigem Gehalt und Arbeitsstunden anzugehen. Aber die Brau-Industrie ist wie das «Hotel California»: You can check-out, but you can never leave! Deswegen habe ich kurze Zeit später den Job gekündigt und Beer Here mit den selben Prinzipien, wie die Ølfabrikken, gegründet. Nur ohne die ganzen Unannehmlichkeiten wie Angestellte, Räumlichkeiten und Equipment.

Sehr viele Deiner Biere werden bei der De Proef Brouwerij in Belgien gebraut. Magst Du etwas über den Brauprozess dort und dem typischen Brautag bei De Proef erzählen? Legst Du dort selber Hand an, oder wir läuft das?
Ich war schon häufig bei De Proef, allerdings nicht, um mein Bier zu brauen. De Proef hat eine hoch technisierte und automatisierte Brauanlage – da gibt es nicht viele Hände, die sich einmischen. Also vergesst das Bild, auf dem die Brauer die Maische mit dem Paddel rühren, den Hopfen sorgfältig in die Würze geben undsoweiter. Es ist alles Computer-gesteuert und automatisiert. Was natürlich großartig für einen Contract-Brewer, wie ich es bin, ist. Ich braue auch in anderen, kleineren Brauereien, bei denen ich mehr Kontrolle habe. Aber das ist auch mehr zum Spaß.

 

Was macht Dir am meisten daran Spaß, innovative Biere zu kreieren?
Etwas zu machen, das die Leute vorher so noch nie probiert haben, oder sie vorher dachten, dass es so in der Kombination ja gar nicht schmecken kann. Und das, ohne sich auf exotische Zutaten oder merkwürdige Gärungs-Schemata zu verlassen.

Ein einfacher Weg, um innovativ herüber zu kommen, ist es, ein Imperial Stout zu kreieren, das mit Cannabis, geräuchertem Quinoa-Malz, schwarze Melasse, Yuzu-Frucht, Rooibos-Tee und Rosenblüten-Honig gebraut und mit Bakterien aus dem eigenen Bart fermentiert wird, um anschließend drei Jahre in Tabasco-Fässern mit einer Brettanomyces-Hefe zu lagern und in limitierter Auflage in Wachs-verschlossenen Flaschen zu verkaufen.

Ich habe aber viel mehr Spaß daran, ein 4,5%-iges, auf Weizenmalz basiertes Bier mit Nelson Sauvin Hopfen zu brauen, das sowohl die Weizenbier-Hasser, als auch meinem Carlsberg trinkenden Vater schmeckt.

 

Deine Biere werden sehr gut bewertet (z.B. auf ratebeer.com) und haben einen sehr guten Ruf. Was ist für Dich das wichtigste, wenn Du ein neues Bier oder neues Rezept entwickelst? Orientierst Du dich dabei an Trends?
Ja klar, schaue ich auf Trends – um ihnen dann nicht zu folgen. Wenn man einem Trend folgt, bsit Du immer hinten dran. Als zum Beispiel 2007 jeder in US-Hopfen verknallt war, habe ich angefangen Hopfen aus Neuseeland zu benutzen, der heute wahnsinnig beliebt ist. Als die Leute nur noch diese verrückten IPAs trinken wollten, war ich der erst, der hopfenbetontes Craft Beer im Lager-Stil braute.

Derzeit bin ich einer der wenigen Brauer in Dänemark, der deutschen und englischen Hopfen vertraut und sie gerne in den meisten meiner Biere verwendet. Die Menschen mögen allgemein Vielfalt, aber Craft Beer-Trinker noch viel mehr. Aber das wichtigste ist, dass ich die Biere selber mag. Aber natürlich ist es auch riskant, so vorzugehen: Ich habe noch ein paar Kegs von einem Smoked Weizen und einem 2%igen Brown Ale, die ich nicht los werde – Du kannst sie gerne günstig kaufen.

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Was ist das perfekte Bier für Dich? Und was ist der perfekte Moment, dieses Bier zu trinken?
Natürlich das Aecht Schlenkerla Rauchbier Urbock.
Wenn ich ein meine Lieblingsbar trete und der Bartender mir das Bier im richtigen Glas einschenkt,  ohne vorher gefragt zu haben, was ich denn von den anderen 20+ Bier on tap haben möchte – das ist der perfekte Moment.

 

Wie kommt es, dass es in Dänemark all diese großartigen Gypsy-Brauer, wie dich, Mikkeller oder To Øl gibt?  Vielleicht magst Du kurz etwas zur Craft Beer-Geschichte in Dänemark erzähen.
Als ich angefangen habe, zu brauen, gab es noch keine Gypsy-Brauer in Dänemark. Ich denke, dass die Gypsy-Brauer-Bewegung erst durch die Wirtschaftskrise entstanden ist. Als Craft Beer groß wurde, war es eigentlich sogar recht einfach, finanzielle Mittel für die Gründung einer Brauerei zu bekommen da es viel Leerstand gab und die Leute ein neues Qualitäts-Bewusstsein entwickelten.

 

In Deutschland wird immer wieder darüber diskutiert, was der Begriff «Craft Beer» eigentlich genau bedeutet. Die neue und junge Craft-Beer-Community explodiert gerade zu und es wirkt teilweise eher wie ein Trend. Glaubst Du, es kann gefährlich sein, wenn sich die Szene und Prozesse zu schnell entwickeln?
Deutschland hat nie – wie in Dänemark – viele der kleinen handwerklichen Brauererien verloren. Die große Herausforderung wird sicherlich sein, dass diese alten handwerklichen Brauereien gemeinsam mit den neuen jungen koexistieren können.

Ich hoffe stark, dass das, was in England in der Craft Beer Community passiert ist, nicht in Deutschland geschehen wird. Es wäre großartig, wenn es neue moderne Interpretationen von Schwarzbier, Dunkles, Helles oder Weißes von jungen Brauereien geben würde.

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Verfolgst Du den deutschen Craft Beer Markt? Und kennst Du jemanden persönlich?
Ich bin ein großer Fan von Freigeist Braukultur. Die Jungs machen außergewöhnliche Sauerbiere, die ich so zuvor noch von keiner anderen Brauerei auf der Welt erlebt habe. Zu Schade, dass der eine Typ davon ein solcher «Schweinhund» ist. (Anmerkung: Christian und Sebastian von Freigeist geben sich im leicht alkoholisierten Zustand gerne gegenseiteig den Namen «Schweinehund» – alles ein Spaß!)

 

Du zeichnest alle Label von deinen Bieren selber. Wie wichtig ist das Design für Dich?
Design war nie wirklich wichtig für mich. Als ich mit Beerhere anfing, habe ich darüber nicht viel nachgedacht. Ich habe das Logo innerhalb von 10 Minuten gezeichnet (was man wahrscheinlich auch sieht) und habe den ersten Namen, der mir in den Sinn kam, genommen, da ich auch nie wirklich die Absicht hatte, Beerhere zu einem seriösen Unternehmen zu machen. Als ich dann das erste Bier-Label für machen musste, musste ich es ernster angehen und zeichnete eine erste Skizze, die später zum Fat Cat-Label werden sollte, auf die Rückseite eines Kassenzettels.

 

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Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Gestern habe ich für 250 Euro Samen und Setzkästen online bestellt und werde im Sommer ein paar sehr interessante Tomaten ernten. Biermäßig habe ich keine großen Pläne, außer natürlich weiterhin leckere Rezepte zu schreiben, anstößige Etiketten zu zeichnen und das anderer Leute Bier aus aller Welt zu trinken.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten und viel Erfolg mit den Tomaten!

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(Das Interview wurde per Email auf englisch geführt und anschließend übersetzt.)

Abgebildete Biere:
Beer Here – Dark Hops (gilt als eines der besten Black IPAs der Welt!)
Beer Here – Hoptilicus
Beer Here & Ugly Duck BrewingHelmuth

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